In Zeiten zunehmender Energiepreisschwankungen und volatiler Märkte setzen immer mehr Unternehmen auf dynamische Stromtarife, um von möglichen Kostenvorteilen zu profitieren. Doch birgt diese Strategie auch Risiken, die Industrie und Gewerbe sorgfältig abwägen müssen. In diesem Beitrag beleuchten wir die Funktionsweise dynamischer Tarife, ihre Vor- und Nachteile sowie mögliche Strategien zur Risikominimierung.
Das Wesen dynamischer Stromtarife
Im Gegensatz zu traditionellen Festpreistarifen, bei denen der Preis für einen bestimmten Zeitraum fix ist, orientieren sich dynamische Tarife an den täglichen Schwankungen des Strommarktes, insbesondere des kurzfristigen Handels an der Spotbörse. Dadurch entsteht ein sogenanntes Marktpreisrisiko, da keine Kostengarantie besteht.
Drei mögliche Szenarien verdeutlichen das Risiko:
- Steigende Strompreise: Unternehmen, die sich für einen dynamischen Tarif entschieden haben, könnten im Laufe des Jahres mit steigenden Marktpreisen konfrontiert werden. Ausgelöst durch externe Faktoren wie Kraftwerksausfälle, die den Marktpreis plötzlich steigen lassen, können die Kosten rückblickend höher sein als bei einem Festpreis.
- Sinkende Strompreise: In einem anderen Szenario könnten durch einen systemischen Angebotsüberhang die Strompreise sinken. Hier würden Unternehmen, die einen dynamischen Tarif nutzen, von niedrigeren Kosten profitieren und sich rückblickend besser gegenüber einen Festpreist stellen.
- Konstante Preise: Sollten sich die Strompreise kaum verändern, würden die Kosten vergleichbar mit einem Festpreis bleiben.
Dynamische Tarife bieten also nicht nur Risiken, sondern auch Chancen. Unternehmen können von einem Preisrückgang profitieren, sollten aber auch auf unerwartete Preisanstiege vorbereitet sein. Dies ist besonders relevant angesichts aktueller Prognosen aus dem Energy BrainReport „Strompreisszenarien bis 2060“. Die Energiemarktexperten von Energy Brainpool gehen im „Go Hydrogen“-Szenario davon aus, dass der Preis an der Börse durch den weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windkraft bis 2040 inflationsbereinigt weiter sinken wird. Strategisch kann es also sinnvoll sein, mit Hilfe eines dynamischen Stromtarifes auch mittelfristig von dieser Entwicklung zu profitieren.
Die kurzfristige Marktpreisentwicklung hängt dagegen von diversen Faktoren ab, die nur schwer zu prognostizieren sind (Krisen, Kriege, Entwicklung der Strom Im- und Exporte, allgemeine Entwicklung des europäischen Kraftwerkspark etc.).
Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wie Solar- und Windkraft wird in den kommenden Jahren erwartet, dass sich die Volatilität der Preise hingegen weiter verstärken wird. Unternehmen, die flexibel auf tagesaktuelle Preise reagieren können, könnten hier also beträchtliche Einsparungen erzielen.
Festpreise vs. dynamische Tarife: Kosten- und Planungssicherheit
Ein wesentliches Argument für Festpreistarife ist die Kosten- und Planungssicherheit. Unternehmen, die sich frühzeitig für einen Festpreis entscheiden, sichern sich gegen steigende Marktpreise ab, tragen aber auch die entgangene Chance von sinkenden Marktpreisen zu profitieren. Die Herausforderung liegt darin, den idealen Zeitpunkt für den Wechsel oder Abschluss eines Tarifs zu wählen. Denn der Marktpreis zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ist maßgeblich für die Preissetzung des Festpreises. Erst in der Rückschau lässt sich bewerten, ob der Abschlusstermin gut gewählt wurde. Während ein Festpreis also stabilere Kalkulationen ermöglicht, bieten dynamische Tarife Chancen und Risiken.
Kostentransparenz: Ein klarer Vorteil dynamischer Tarife
Dynamische Stromtarife zeichnen sich durch ein transparentes Preismodell aus. Kunden zahlen eine Gebühr pro Kilowattstunde, und diese Gebühr deckt alle Kosten des Energieversorgers ab. Da der Stromverbrauch zu tagesaktuellen Preisen abgerechnet wird, können Unternehmen den Referenzmarktpreis klar nachvollziehen.
Im Gegensatz dazu beinhalten Festpreistarife oft Intransparenz. Der angegebene Komplettpreis beinhaltet unter anderem Risikoaufschläge, Profilstrukturkosten und Vertriebsmargen. Unternehmen sehen nur den Endpreis, ohne genau zu wissen, wie sich dieser zusammensetzt. Besonders im Krisenjahr 2022 waren die Risikoaufschläge der Energieversorger deutlich höher, was für Unternehmen eine finanzielle Belastung darstellen konnte.
Risikomanagement bei dynamischen Stromtarifen
Um die Risiken dynamischer Tarife zu managen, gibt es mehrere Strategien, die Unternehmen anwenden können:
- Flexibilität durch kurze Laufzeiten: Mit einem dynamischen Stromtarif, der nur eine Mindestlaufzeit von einem Monat hat, können Unternehmen schnell reagieren. Bei langfristig steigenden Strompreisen können sie jederzeit in einen Festpreis wechseln und so ihre Kosten stabilisieren.
- Energiemanagementsysteme: Ein effektives Energiemanagementsystem ermöglicht es Unternehmen, Preisschwankungen gezielt für Kosteneinsparungen zu nutzen. Flexible Anlagen wie z.B. Batteriespeicher, Ladesäulen und Wärmepumpen können genutzt werden, um auf Marktchancen bzw. günstige Preise zu reagieren. Zugleich erhöhen dynamische Tarife die Wirtschaftlichkeit des Einsatzes dieser neuen Technologien und verkürzen deren Amortisationszeit.
- Kombinierte Beschaffung: Viele größere Unternehmen kombinieren Festpreis- und dynamische Tarife. Dabei wird ein Teil des Energiebedarfs (z. B. 60 %) zu einem festen Preis abgesichert, während der Rest dynamisch zu aktuellen Marktpreisen eingekauft wird. Diese strukturierte Beschaffung minimiert Risiken und bietet gleichzeitig Flexibilität.
Fazit: Chancen und Risiken dynamischer Stromtarife
Ja, dynamische Stromtarife bringen Risiken mit sich, insbesondere das Marktpreisrisiko. Dennoch bieten sie auch viele Vorteile gegenüber Festpreisen:
- Geringere Gebühren und größere Kostentransparenz.
- Nutzung günstiger Marktentwicklungen, wenn die Preise sinken.
- Flexibilität, um auf Preisschwankungen zu reagieren und mögliche Einsparungen zu erzielen.
- Manche Unternehmen verfügen über ein für den Strommarkt günstiges Verbrauchsprofil und können daher strukturell mit wenig Risiko von den Vorteilen dynamischer Stromtarife profitieren. Dies ist etwa dann der Fall, wenn sie sowieso überwiegend dann Strom verbrauchen, wenn dieser günstig ist, etwa nachts__.__
Durch ein gezieltes Risikomanagement und den gezielten Einsatz von flexiblen Stromverbrauchern über Energiemanagementsysteme lassen sich die Risiken dynamischer Stromtarife jedoch effektiv steuern. Für Unternehmen, die bereit sind, das Marktpreisrisiko einzugehen, können dynamische Tarife eine attraktive Option sein, um langfristig Kosten zu sparen.
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