Energy Communities – welche Formen von Energiegemeinschaften gibt es?

geschrieben am

2021-07-22

Die Energiewirtschaft veränderte sich in den letzten Jahrzehnten durch eine rasante Entwicklung und Verbreitung von erneuerbaren Technologien und dezentraler Energieversorgung. Zu diesen Innovationen, die Dezentralisierung, Dekarbonisierung und Digitalisierung vorantreiben gehören in Energiegemeinschaften zusammengeschlossene Energieproduzenten und -verbraucher. Wie sich Energy Communities umsetzen lassen und inwiefern sich diese unterscheiden, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Grundsätzlich lassen sich Energiegemeinschaften in zwei verschiedene Typen unterscheiden:  

  • physische Community 
  • virtuelle Community 

Was ist der Unterschied zwischen den Community Typen? 

Der Hauptunterschied zwischen den Typen der physischen Community und der virtuellen Community liegt in der Art der Nutzung des Stromnetzes sowie der Bilanzierung und Abrechnung der erzeugten und verbrauchten Energie. Bei der physischen Community lässt sich zwischen der Collective Self-Consumption (privates Netz, z.B. Quartier oder Mehrfamilienhaus) und Community Self-Consumption (privates und öffentliches Netz) unterscheiden. Die virtuelle Community wird häufig über einen geografischen Zusammenhang als regionale Community definiert. Es gibt aber auch andere, nicht geografische Kriterien der Zusammengehörigkeit, die als Cloud Community zusammengefasst werden. 

Zusammengefasst lassen sich Energy Communities somit in vier Sub-Typen einordnen: 

  • Collective Self-Consumption
  • Community Self-Consumption
  • Regional Community
  • Cloud Community

Physische Communities 

Bei dieser Variante besteht eine netzgebundene Verbindung zwischen der Erzeugungsquelle und den Verbrauchsstellen. Denn dezentral erzeugter Strom soll nicht einfach ins Netz eingespeist werden und behandelt werden wie jede andere Kilowattstunde Strom. Vielmehr soll über die direkte geografische Nähe eine Gleichzeitigkeit von Erzeugung zu Verbrauch auf unterster Netzebene geschaffen werden und so zu einer Entlastung des Gesamtsystems führen.

Collective Self-Consumption  

Energiegemeinschaften, die eine private Netzinfrastruktur nutzen (“private grid only”) werden als Collective Self-Consumption bezeichnet. Die Teilnehmer, hauptsächlich “Consumer” (Verbraucher), befinden sich hinter dem gemeinsamen Netzanschlusspunkt und nutzen den lokal erzeugten Strom. Weitere Merkmale sind:  

  • eine Erzeugungsanlage (häufig PV) versorgt die Community innerhalb des privaten Netzes 
  • die Erzeugungsleistung versorgt die Gemeinschaft gemeinsam, d.h. es gibt in der Regel keinen individuellen Eigenverbrauch für einen Prosumer 
  • Energieüberschuss sowie zusätzlicher Energiebedarf wird mit dem öffentlichen Stromnetz ausgetauscht 
  • die Community maximiert den Eigenverbrauch bzw. minimiert den Netzbezug über ein entsprechendes Messkonzept und ggf. Optimierungsalgorithmen 
  • ein Batteriespeicher und auch Elektrofahrzeuge können als lokale Flexibilitäten eingesetzt werden 
  • der Anreiz zur Teilnahme an einer solchen privaten Community wird über entsprechende Tarife verstärkt werden, beispielsweise Mieterstrom-Tarif 

Beispiele sind hier z.B. die im deutschen Markt bekannten Mieterstrommodelle, Quartiersprojekte sowie Arealnetze im gewerblichen Bereich. 

International betrachtet gibt es ebenfalls ähnliche Modelle von Energy Communities mit privater Netzstruktur, die sich in der Regel an der Renewable Energy Directive (RED 2018/2001/EU) und Energy Market Directive, EMD, (EMD 2019/944/EU)) orientieren.  

Community Self-Consumption 

Unter Community Self-Consumption versteht man auch lokale Eigenverbrauchs-Communities, die im Gegensatz zu Communities im privaten Netz auch das öffentliche Stromnetz nutzen. Die Aggregation, Verteilung und Bilanzierung der Energie erfolgt lokal hinter dem Netzübergabepunkt (Trafo-Station) auf Niederspannungsebene. Weitere Merkmale dieser Energiegemeinschaft sind: 

  • Teilnehmer sind lokal auf einer Netzebene (hinter der Trafo-Station), dort werden installierte Erzeugungskapazitäten und Verbraucherlasten zusammengebracht 
  • das Prinzip der Optimierung gilt wie bei der privaten Community gegenüber der nächsthöheren Netzebene 
  • Anreizstrukturen über spezielle Einspeisevergütungen bzw. vergünstigte Bezugspreise können die Ausgestaltung dieser Versorgungsgemeinschaften begünstigen (vgl. Gesetz zu Renewable Energy Communities in Italien) 

Virtuelle Communities 

Ist ein physischer, netzgebundener Zusammenhang zwischen Erzeugung und Verbrauch nicht zu gewährleisten, kann trotzdem eine Energy Community geschaffen werden. Wir sprechen dann von virtuellen Communities. Dezentrale Erzeuger und Verbraucher sind somit nicht an einen gemeinsamen Ort gebunden, werden aber trotzdem gegenüber einem Strombezug außerhalb der Gemeinschaft optimiert. 

Bei virtuellen Communities unterscheiden wir zwischen einer (klassisch) regionalen Struktur wie wir sie zum Beispiel von Stadtwerken kennen und einer übergreifenden und geografisch unbegrenzten Umsetzung, sogenannten Cloud-Communities. 

Regional Communities 

Wie der Name schon sagt, verbindet eine regionale virtuelle Gemeinschaft Prosumer und Consumer in einer bestimmten Region. Anbieter solcher Versorgungsgemeinschaften sind häufig ortsansässige Energieversorger oder Stadtwerke, die ihr Produktportfolio im Rahmen der Energiewende weiterentwickeln. 

Über entsprechende Tarifmodelle werden Prosumer und Consumer zu einer Community zusammengeschlossen und über regelmäßige Bilanzierung von Erzeugung und Verbrauch abgerechnet. Ein zwingender physischer Zusammenhang zum Stromversorgungsnetz besteht dabei nicht. Aus einer regionalen virtuellen Community kann über entsprechende Messkonzepte eine lokale Community entstehen. 

Cloud Community

Eine Cloud oder auch übergreifende virtuelle Community funktioniert bzgl. der Umsetzung im Grunde wie die regionale virtuelle Community. Wo die regionale Community durch die Geografie definiert ist, basiert die übergreifende Community auf anderen Gemeinsamkeiten zwischen den Teilnehmern (z.B. gemeinsamen technischen Voraussetzungen). Anbieter solcher Energiegemeinschaften sind zum Beispiel Hersteller von dezentraler Erzeugungstechnik wie sonnen oder SENEC. 

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